Mittwoch, 16. Dezember 2009

Aktuelle polit. Situation und meine Arbeit

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Hallo zusammen,

Foto: Mit Freunden unterwegs

nach zwei Wochen melde ich heute mal wieder. Wie versprochen erzähle ich euch ein bisschen was über meine Arbeit bei der Hanns-Seidel Stiftung, aber zunächst möchte ich kurz auf die aktuelle politische Situation in Indonesien eingehen.

Wie bereits vor ein paar Wochen auf meinem Blog erwähnt, hat die indonesische Regierung im Zuge der Finanzkrise eine Mittelstandsbank vor dem Bankrot bewahrt. Im Endeffekt wurden aber von der Regierung 50 mal mehr Finanzhilfen in die Bank gepumpt als ursprünglich geplant, genau 6,7 Billiarden Rupiah, oder 710 Mio. Dollar. Das Komische an der Sache ist, dass keiner weiss wo das Geld hinverschwunden ist. Deswegen stehen zur Zeit der Vizepräsident (damals Präsident der indonischen Zentralbank und für die Rettungsaktion hauptverantwortlich) und die Finanzministerin auf der Abschussliste. Die Öffentlichkeit baut zunehmend Druck auf und mittlerweile wurde ein Untersuchungsausschuss vom Parlament eingesetzt. Von meinem Bürofenster sehe ich genau auf eine der Hauptstraßen, welche direkt zum Präsidentenpalast führt. Täglich gibt es mittlerweile Demonstrationen gegen die Regierung im Allgemeinen und die zwei Hauptfiguren im Besonderen. In Regierungskreisen wird bereits gemunkelt, dass die zwei zurücktreten müssen um den Präsidenten zu retten. Zudem wird vermutet, dass der Präsident einen Teil seiner diesjährigen Wahlkampfbudgets aus schwarzen Geldern der Bankenrettungsaktion finanziert hat. Es wird immer verworrener und wer weiß.......am Ende muss vielleicht sogar der Präsident seinen Hut nehmen. Die Zivilgesellschaft (Medien, Nicht-Regierungsorganisationen, das einfache Volk) wird zunehmend unruhiger, was sich in den zahlreichen Demonstrationen äußert. Noch sind die Proteste friedlich, aber laut meiner indonesischer Kollegen kann die Stimmung hier sehr sehr schnell umschlagen. Letzte Woche war weltweiter Antikorruptions-Tag und zig tausende Leute demonstrierten (friedlich, bis auf wenige Ausnahmen) in ganz Indonesien. Das wäre hier nicht das erste Mal, dass die Bevölkerung einen Präsidenten stürzt...........



Jetzt aber endlich zu meiner Arbeit bei der HSS, welche natürlich indirekt auch mit den politischen Vorgängen in Indonesien zu tun hat.
- Gerade bin ich nämlich dabei den Jahresbericht zu schreiben, welche gegliedert ist in: die Innenpolitik, die Außenpolitik, die wirtschaftliche Situation und sonstige Entwicklungen (bspw. das verheerende Erdbeben in Sumatra vor ein paar Monaten). Es ist spannend Einblick in eine solch junge Demokratie (gerade einmal 10 Jahre) zu bekommen und die Kinderkrankeiten, die noch ziemlich groß sind. An vorderster Front die Korruption,... Allgemein ist meine Aufgabe, die allgemeinen Entwicklungen in Indonesien zu beobachten (Recherche in Zeitung, Internet,...) und gegebenfalls Sonderberichte schreiben.
- Des Weiteren haben wir gerade die Projektplanung der HSS für 2010 abgeschlossen, dh. die aktuellen Projekte von 2009 evaluieren und neue für 2010 entwickeln. Dies schließt sowohl die inhaltliche als auch die finanzielle Planung mitein.
- Regelmäßig begleite ich meinen Chef (der im Moment gerade in Kopenhagen auf der Klimakonferenz weilt) auf Außentermine. So habe ich bspw. schon diverse Botschafter (deutsch, schweden, griechenland, dänemark, myanmar,...) kennengelernt, den Minister für Kultur und Tourismus, den Vize-Umweltminister, den Generaldirektor von ASEAN (sowas wie EU in Südostasien), Paul Wolfowitz (ehemaliger Weltbankpräsident und amerikanische Botschafter in Indonesien),... Ihr seht, man trifft hier ne Menge wichtiger Leute und nochmehr die sich für wichtig halten :)

- Außerdem arbeite ich bei der Organisation und Durchführung von Workshops der HSS mit. Vor zwei Woche hatten wir ein Training zum Thema "Environmental Education for Sustainable Development". Da habe ich dann auch einen Vortrag über Erneuerbare Energien gehalten. Ein sehr spannendes Thema und brandaktuell noch dazu. Anfang November hat uns der deutsche Verfassungsrichter Prof. Bross besucht für eine Vorlesungsreihe zu Fragen der Entscheidungen des Verfassungsgerichts. Eigentlich habe ich mit Jura nicht viel am Hut, aber es ist immer interessant über den Tellerrand blicken zu dürfen.

- Natürlich bleibt einem aber die typische Büroarbeit nicht ersparrt. So kommt es auch vor, dass die deutsche Bericht auf englisch übersetzen muss oder Reden für meinen Chef zu bestimmten Anlässen schreibe (die letzte war für die Klimakonferenz in Kopenhagen)

Schlussendlich möchte ich jedem gratulieren, der sich durch diesen (in meinen Augen doch sehr trockenen) Blockeintrag gelesen hat. Ich verspreche euch, dass es das nächste Mal wieder mehr Bilder und Eindrücke von Indoensien gibt. Zunächst rückt aber erstmal meine ganze Familie über Weihnachten und Silvester an und wir gönnen uns ein paar schöne Wochen Erholung. Ich melde mich dann voraussichtlich Anfang Januar wieder bei euch.

Ich wünsch euch ein besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und frohe Ostern! :)

Auf ein Neues in 2010!!!

Euer
Peter

Sonntag, 29. November 2009

Idul Adha - Halal

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Gudn Tag zusammen!

Nach einer Woche Pause gibts mal wieder Neuigkeiten von mir.

Letztes Wochenende bin ich mit einer Gruppe internationaler Praktikanten und Indonesiern an den Strand gefahren. Da konnte ich mir natürlich meine Premiere auf dem Surfboard nicht entgehen lassen. Nachdem es mich die ersten geschätzten 20 Mal gleich gleich auf die Nase gelegt hatte, bekam ich den Dreh raus. Eigenlob stinkt, aber fürs erste Mal auf dem Brett habe ich mich danach gar nicht so schlecht angestellt und hab ein paar gute Wellen mitgenommen! :)

Foto: Hochzeitsgesellschaft

Dieses Wochenende bin ich dann seit langem einmal wieder in Jakarta geblieben. Wieso? Weil mich meine Vermieterin zur Hochzeit ihrer Tochter eingeladen hat. Eine witzige Geschichte: die Tochter lebt in Deutschland und hatte bereits vor einigen Wochen in Deutschland einen Deutschen geheiratet. Jetzt mussten sie aber natürlich nach Indonesien kommen und vor der hiesigen christlichen Gemeinde ihr Ja-Wort wiederholen. Da aber die Familie des Bräutigam nicht mitgekommen ist, hat meine Vermieterin verzweifel eine deutsche "Ersatzfamilie" gesucht um vor den geladenen Gäste das Gesicht zu bewahren. Das war für mich natürlich eine tolle Chance eine lokale Hochzeit mitzuerleben. Ich muss sagen, soviel anders ist der christliche Hochzeit nicht.....bis auf das Musikalische. Da Indonesier von Haus aus Karakoe fanatisch sind beweisen sie ihre Sangeskraft auch in der Kirche. Hier wird mit vollster Emotion und Lautstärke gesungen und (teilweise im Gegensatz zu Deutschland :) sogar richtig. Zudem hatten 5 verschiedene Chöre ihren Auftritt und der Pfarrer hat bei seiner Predigt auch eher den Redestil eines engagierten Politiker gehabt. Alles in allem aber ein super Erlebnis und lecker Essen durfte natürlich auch nicht fehlen.


Und jetzt zur Überschrift: Idul Adha oder das Halal Schlachten. Vergangenen Freitag war in Indonesien einer der höchsten Feiertage. An diesem Tag wird Abraham gedacht, der seinen Sohn Isaak für Gott geopfert hätte. Schlussendlich "durfte" Abraham dann aber doch ein Lamm anstelle seines Sohnes opfern. Soweit die Geschichte. In Indonesien gleicht das Ganze einer Massenopfergabe. Alle Leute, die etwas Geld haben kaufen wahlweise eine Ziege, Schaaf oder gar eine ganze Kuh um sie zu opfern. Dabei wird (für unsere westliche Anschauung) dem Tier barbarisch die Kehle mit einem einfachen Messer aufgeschnitten (s.Video) um es ausbluten zu lassen. Es war schon etwas seltsam eine solche Opfergabe hautnah zu erleben. Und der Muezzin hat im Hintergrund immer seinen "Gesang" wiederholt....eine eigenartige Stimmung!

Wer nicht gerne ein Tier leiden sieht sollte sich das nachfolgende Video eher nicht anschauen.



Dann habe ich mir auch noch die größte Moschee Südost-Asiens, die viertgrößte der Welt angeschaut. Ist schon ein beeindruckndes Gebäude, aber von innen weniger interssant als ich sie mir vorgestellt habe. Aufallend waren im riesigen Gebetsraum die enorme digitale Uhr an zentraler Stelle und diverse große Flachbildschirme. Hätte ich nicht erwartet....



Soweit von hier. Ab morgen bin ich auf Dienstreise und nächste Woche erzähle ich euch mal ein bisschen was von meiner Arbeit.

Cheers!

Donnerstag, 19. November 2009

KPK, Deutsches Bundesverfassungsgericht und Jogja

Foto: Der Eingang zum Sultanspalast von Jogja. Da lebt der aktuelle Sultan übrigens immer noch drin.


Schönen Guten Tag,

dieses Mal melde ich mich mit ein bisschen Verspätung, da ich das Wochenende über bis einschließlich Dienstag auf Dienstreise in Yogyakarta (=Jogja) war. Und zur Abwechslung gibt es dieses Mal einen Bericht zur aktuellen politischen Lagen in Indonesien:

Der Anlass meiner Dienstreise war der Besuch von Prof. Broß, aktueller Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Er besucht die HSF Jakarta schon zum zweiten Mal und versucht dadurch die Kooperation mit dem indonesischen Pendant zu verbesseren. Die Indonesier haben sich auch tatsächlich in ihrer 10 jährigen Demokratie vieles von den Entscheidungen des deutschen Verfassungsgerichts abgeschaut. Zusammen mit Prof. Broß haben wir die Islamic University of Indonesia besucht. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch den Präsidenten des indoensischen Verfassungsgericht, Prof. Mahfud, kennengelernt und ein bisschen geschwätzt. Und eben dieser Mahfud hat vor ca 2 Wochen einen politischen Stein ins Rollen gebracht, welcher in Indonesien gerade reihenweise hochrangige Regierungsbeamte überrollt.
Mahfud ist der zweite von links, Broß der zweite von rechts

Zu der Geschichte:
Die indonesische Regierung hat einer Mittelstandsbank im Zuge der Finanzkrise über 700 Mio. Dollar zugesteckt, damit diese nicht Pleite geht. Das Geld ist dann allerdings auf einmal verschwunden. Keiner weis wo es hin ist. Weg is die Maus! :) Vermutet wird, dass einflussreiche Geschäftsleute, Politiker und hochrangige Polizeibeamte ihr Vermögen (oftmals aus Korruptionsgeschäften) bei dieser Bank deponiert hatten und fürchteten, ihre Kohle zu verlieren. Daraufhin hat die Bank anscheinend die Bankguthaben heimlich ausgezahlt. Belege gibt es öffentlich noch nicht dafür, aber vieles deutet darauf hin.
An dieser Stelle kommt die KPK ins Spiel. Das ist die Anti-Korruptionsbhörde, welche bei der Bevölkerung sehr beliebt ist, da sie bereits über 100 ehemaliger Parlamentarier, hochrangige Beamte und sogar den Schwiegervater des Präsidentensohns von Indonesien wegen Korruption hinter Gitter gebracht hat. Seitdem ist die KPK in der Politik und beim Präsidenten sehr sehr unbeliebt. Deswegen haben sie, in Person der Polizei, dem Vorsitzenden der KPK einen Mord versucht anzuhängen. Der ist dann auch die letzten 4 Monate im Gefängnis gewesen. Jetzt hat aber Prof Mahfud, Präsident des Verfassungsgerichts, vor 2 Wochen veranlasst eine Reihe von heimlich von der KPK mitgeschnitten Telfonaten vom indonesischen Polzeichef und des Bundesanwalts öffentlich, während einer Sitzung (mit live Übertragung ins Fersehen) vorzuspielen lassen. Das hat dann dazu geführt, dass der Stein ins rollen gekommen ist. Die Polizei und der der Bundesanwalt stehen nun unter Verdacht in den Vorfall des Bankbetrugs, der Diskretitierung des KPK Präsidenten,... verwickelt zu sein. Hochrangig Regierungs- und Polizeibeamte mussten schon ihren Hut nehmen.

Der indonesische Präsident schweigt sich über die ganze Sache aus. Es wird gemunkelt, dass auch er in diese Vorfälle verwickelt ist. Mittlerweile finden regelmäßig Demonstrationen in Jakarta statt und auf Facebook gibt es bereits eine Gruppe mit mehr als 1 Mio (!!!!!) Mitgliedern, welche die KPK unterstützt in ihrem Kampf gegen die Polizei und den Bundesanwalt.

Ich hoffe, meine Ausführungen waren nicht zu verwirrend. Hier kommen täglich neue Details ans Licht und die Sache wird immer schmutziger. Bin mal gespannt, wer hier noch alles seinen Kopf hinhalten muss. Die Polizei hat als Protest gegenüber dem Verfassungsgericht gleich mal die Schutztruppe fürs BVG abgezogen. Das ist typisch Indonesisch.... :)

Ach ja, da war ja nochwas. Ich war in Jogja. Muss aber ehrlich gestehen, dass ich mir die Tempel nur von außen angeschaut habe und lieber einen Tag am Strand verbrachte. Im Dezember werde ich ja nochmal dort hinfahren und dann wird auch der ganze Touri-Stuff mit Fotos erledigt.

Das war der Pool von meinem Hotel. Schön erfrischend am Morgen.

Montag, 9. November 2009

Zurück in die Steinzeit - Baduy



Selamat malam!

Dieses Wochenende hatte ich wiedereinmal das Glück Jakarta entfliehen zu können. Wie jede Woche bilden sich am Freitag Abend und Samstag morgen zig kilometerlange Staus. Mir kommt es manchmal so vor, dass die Mehrzahl der Indonesier diese Stadt auch nicht mag und ihr entkommen will, wann immer möglich.

Mir wurde erklärt, dass auf der Grund der hinduistischen Vergangenheit, Indonesien ein sehr friedvolles Volk ist. Das ist auch mein Eindruck der ersten Wochen. Es herrscht hier (v.a. außerhalb Jakartas) eine angenehm ruhige und entspannte Atmosphäre, die ich sehr positiv wahrnehme. Einen ganz besonderen Stamm, der diese Atmosphäre mustergültig verkörpert habe ich die letzten Tage "besuchen" dürfen.


Sobald man die Hauptstraße, die aus Jakarta hinausführt verlässt, und auf Nebenstrecken unterwegs ist sollte man ein gut gefedertes Fahrzeug haben. Nicht selten gleicht die Fahrt eher einer unfreiwilligen Hoppel-Massage als einer ebenen Straße. Nichtsdestotrotz sind wir Samstag morgen im ca. 5 Stunden entfernten Baduy angekommen. Ein Ort an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Von hier aus ging es los mit Rucksäcken und viel Wasser für die Wanderung. 2 Stunden wanderten wir durch dichten hügeligen Tropenwald. In Baduy lebt ein Stamm, der für sich entschieden hat, weiter in seiner traditionellen Weise zu leben wie er es schon seit Jahrhunderten tut.

Hier gibt es keinen Strom, keine (Ab)wasserleitungen, keine Mopeds oder Autos, keine Handys oder Elektrogeräte, keine Schuhe, keine Spiegel, Zwangsheirat, keine Schulen, Schreiben und Lesen ein Fremdwort, keine Uhren, Holzhütten und Blätterdächer, keine Toiletten, keine Duschen (dafür gibts ja den Fluss), Brücken aus Bambus und Menschen, die in von selbst handgewebte Sarungs tragen. Ich muss sagen, dass ich diese Gefühl der Naturverbundenheit und Freiheit in der Stadt vermisse. Das Besinnen auf das wesentliche im Leben...


Hier ist einfach alles um ein Jahrhundert zurück gedreht. Faszinierend.... Die Baduys leben von dem was sie anbauen und ernten, nahezu autark. Mit Besuchern (wie unsereins) und dem Verkauf von Sarungs und Handarbeiten verdienen sie sich das zusätzliche, was sie selbst nicht produzieren.
Ich habe Respekt für diesen Menschen, die den Reizen und Verlockungen der Zivilisation widerstehen, auf sogenannten Lebensstandard (wie wir es nennen) verzichten und ihre Tradition bewahren. Ich bin gespannt, ob oder wie lange sie ihre Kultur noch schützen können. Der Verfall und die Abkehr von ihren Wert hin zu materialistischen Denken war an den Randzonen von Baduy schon sichtbar. Vereinzelt sah man Handys, Radios,... Es wurde uns auch von immer mehr Jugendlichen erzählt, die ihren Stamm verlassen und ihr Glück in der Stadt suchen. Es ist uns glaub ich allen klar, dass diese Menschen zu den ersten Opfern unser Gesellschaftsordnung zählen...

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und nächste Woche berichte ich euch über Yogyakarta, der Stadt der Tempel.

Sampai minggu lalu (Bis nächste Woche)
Peter

Montag, 2. November 2009

Mount Bromo oder der qualmende Vulkan



Selamt malam!
Apa kabar? (=Wie geht´s euch denn so?) Wie bereits letzte Woche versprochen lasse ich euch auch weiterhin an meinen Ausflügen teilhaben. Diesesmal gings zum Mount Bromo, einem der zahlreichen aktiven Vulkane in Indonesien.
Freitag nach der Arbeit gings mit dem Flugzeug nach Surabaya, in den Osten der indonesischen Insel Java. Nach weiteren 3 Stunden Busfahrt sind wir dann schließlich nachts um halb 2 am Hostal angekommen. Strom gabs keinen und so haben wir uns für eine knapp 2 Stunden mit Kerzen bewaffnet in unsere Zimmer verkrochen. Pünktlich um halb 4 sind wir dann schon wieder aus den Federn geschmissen worden um mit Sheeps auf unbestigten Pfaden auf 3000m befördert zu werden. Dort erwartet uns dann um 5 Uhr morgens ein phenomenaler Sonnenaufgang. Und wie dann die ersten Sonnenstrahlen die Rauchschwaden des qualmenden Vulkans in glanzvollem Licht erstrahlen liesen war das Postkarten-Feeling perfekt.
Anschließend gings vom Aussichtspunkt zum Mount Bromo selbst. Beeindruckend wenn man direkt auf dem Kratergrat, der nur einen halben Meter breit ist, um den Vulkan wandert. Rechts und links gehts steil bergab: auf der einen Seite den Vulkan außen runter.........auf der anderen in den Vulkankrater hinein! Lava haben wir zwar nicht gesehen, dafür waren die Rauchschwaden umso dichter, die aus dem Inneren entwichen. Insgesamt ein beeindruckendes Naturschauspiel, das sich uns bot.
Die Kraft der Natur haben wir an diesem Wochenende aber nicht nur in seiner ganzen Pracht gesehen, sondern auch von seiner grausamen Seite. Vor ca. 3,5 Jahren hat eine Ölfirma (Besitzer ist ein aktueller Minister der indonesischen Regierung) ein 2000m tiefes Probeloch gebohrt, um ein neues Öl/Gasfeld zu erschließen in unmittelbarer Nähe mehrerer Dörfer. Dabei wurden Sicherheitsmaßnahmen komplett missachtet und seitdem strömen täglich (!) 100.000 m3 giftigen Schlamms aus dem Erdinneren an die Oberfläche und alles unter sich begraben. Durch die unkontrollierte Bohrung wurde ein natürliches Gleichgewicht gestört. Die Folge: mittlerweile wurden 16 Dörfer von den Schlammmassen unter einer 2m dicken Schicht verschluckt. Tausende Menschen mussten umgesiedelt werden und einige kamen sogar ums Leben bei dieser vom Menschen verursachten Naturkatastrophe. Zusätzlich entstehen neben den großen Bohrlöchern an einigen Stellen in der Umgebung Risse in der Erde, aus denen Methangas und giftiger Schlamm schießt. Wir haben ein Privatgrundstück gesehen (siehe Bild), dessen Haus komplett von dem Erdriss bzw. den ätzendem Gas aufgefressen wird. Mitten in einem Dorf. Wenn ich es nicht selber gesehen hätte, würde ich glauben dass es ein schlechter Scherz ist. Wen es von euch genauer interessiert: der Vorfall hats sogar bis in Wikipedia geschafft (http://en.wikipedia.org/wiki/Sidoarjo_mud_flow).
Bild 2: das ist die Spitze, die noch vom 2 stöckigen Gemeindehaus übrig geblieben ist. Der Rest ist alles unter ausgehärtetem Schlamm begraben...

So far so bad. Was ihr nächste Woche zum Lesen bekommt weiß ich selber noch nicht so genau. Die Planungen laufen noch.....:)

Sampai jumpa minggu depan
Peter

Dienstag, 27. Oktober 2009

Thousand Islands oder ein paar von den 18.000



Selamat malam!

Heute nehme ich euch wie versprochen mit auf eine Reise zu den "Ribu Pulau" oder auch "Thousand Islands" genannt. Am Samstag morgen um 5 Uhr gings los: 2 Deutsche und 18 Indonesier. Wir wurden vorsichtshalber schon mal vorgewarnt, dass es ein Backpacker Ausflug sein würde...
Mit einem Kutter, den wir für die 2 Tage gemietet hatten, ging das Abendteuer los. 3 Stunden Bootsfahrt von Jakarta enfernt, mitten im Java Meer landeten wir dann auf einer Insel, die schätzungsweise 100 Meter breit und 2 km lang war. Von Touris keine Spur. Zu Fuß gings erstmal durch Urwalddickicht und Palmen Ansammlungen. Zwischendurch gabs eine frische Kokus Nuss stilecht von der Palme und mit einer Machete geöffnet:) Die war bei der brütenden Hitze auch dringend notwendig. Der anstrengende Marsch wurde aber durch einen traumhaften Strand entschädigt. Alle zusammen stürzten wir uns ins Wasser mit Schnorchel, Maske und Flossen bewaffnet. Die nächsten 2 Stunden habe ich dann zum ersten Mal die Unterwasserwelt Indonesiens kennengelernt: jede Menge Fische, Rochen, Seesterne, Korallen in allen Formen und Farben,... Jetzt könnt ihr alle mal zusammen eine Runde neidisch auf mich sein! :)
Am Sonntag sind wir dann von Insel zu Insel und von Schnorchel-Spot zu Schnorchel-Spot gefahren. Bei diesen kleinen schnuggeligen Trauminsel kommt man dann auch schon mal ins Träumen....wie doof, dass wir dann wieder nach Jakarta aufbrechen mussten. Hier wäre ich gerne noch ein paar Tage geblieben.

Zum Abschluss habe ich euch noch ein kleines Video angehängt und ein paar Fotos von meinem Zuhause in Jakarta.

Machts gut und seid gespannt auf nächste Woche. Am Wochenende flieg zum Mount Bromo. Dort soll man einen der faszinierensten Sonnenaufgänge erleben können, die dieser Planet zu bieten hat.....



Montag, 19. Oktober 2009

Das Beben und der Urwald

Da bin ich wieder!

Ich hoffe, dass ich den folgenden Satz zum letzten Mal schreiben muss:

Ich habe das jüngste Erdbeben heil und wohlauf überstanden. Am letzten Freitag, 16 Uhr Ortszeit war ich gerade im Büro meines Chefs gestanden. Auf einmal is mir a bissal schwindelig geworden. Da mein Boss in seinem Zimmer raucht und ich nicht viel zu Mittag gegessen hatte, dachte ich dass es mein Kreislauf ist und hab mich auf einen Stuhl gestützt......bis mein Chef wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen ist und Erdbeben gerufen hat. Ich muss sagen: es fühlt sich richtig komisch an wenn man im 9. Stock eines Hochhauses sitzt und das Ding fängt an zu wackeln.....Die Indonesier haben das Gebäude aber ohne Panik evakuiert und man hat sich an der offiziellen Sammelstelle auf der Straße getroffen. Nach offiziellen Angaben erreichte das Beben 3,3 auf der Richterskala und es wurde niemand verletzt. Dafür dass das Epizentrum aber nur 200 km von Jakarta entfert lag hatten wir aber einen großen Schutzengel....

Jetzt aber zu den schöneren Dingen des Lebens. Nach 3 Wochen habe ich es endlich mal geschafft dieser stinkenden Mega-City den Rücken zu kehren und in die Natur zu fahren. Der Chauffeur der dänischen Botschaft hat uns (2 Dänen, 1 Schwede, 4 Deutsche) ins 3 Stunden entfernte Puncak gefahren. Da sind wir dann den Tag über im Urwald des Nationparks rumgelaufen und haben im Wasserfall gebadet. Am Sonntag sind wir dann noch durch die endlosen Teeplantagen der Region geschlendert und haben die Sonne genossen (in Jakarta is es zwar heiß, aber durch den Smog kriegt man von der Sonne meistens nicht viel mit).

Nächstes Wochenende gehts dann auf Thousand Islands. Interessanter Name!? Lasst auch überraschen...

Bis nächste Woche
Peter


Montag, 12. Oktober 2009

HSS Jakarta und was ich so arbeite

Selamat Malam!

Ihr seht, meine indonesisch Kenntnisse nehmen rapide zu! :) Heute hatte ich auch meine erste offizielle Unterrichtsstunde. Macht euch also auf was gefasst, wenn ich wieder da bin....;)

Wie ich auch letzte Woche versprochen habe, erzähle ich dieses Mal etwas über meine Arbeit und was ich den ganzen lieben Tag so treibe:
Mein Praktikum absolviere ich im Außenbüro der Hanns-Seidel Stiftung (HSS) in Jakarta. Das Team besteht aus einem deutschen Direktor und lauter indonesischen Mitarbeitern (1 Programmkoordinatoren, 1 Finanzerin, 2 Sekretärinen, 1 Office Boy und 2 Chauffeuren).
Schwerpunkte der HSS sind "Environmental Education for Sustainable Development", "Democratization" und "Rule of Law" (=Rechtssicherheit). Innerhalb dieser Themengebiete planen, koordinieren wir und führen verschiedenste Workshops durch, nehmen an Konferenzen teil und das Repräsentieren darf natürlich bei einer Stiftung nie vergessen werden. Morgen nehme ich bspw. an einem Seminar der deutsch-indonesischen Handeskammmer zum Thema "Regenerative Energien-Biogas" teil. Wird bestimmt richtig spannend und der Chauffeure ist natürlich auch schon bestellt damit er mich angemessen vorfahren kann! :)

Vielleicht habt ihr ja die Wahlen im Juli 2009 in Indonesien mitbekommen. Für die neuen Abgeordneten des Parlaments veranstalten wir Crashkurse zu unterschiedlichen Themen (bspw. "Was ist Demokrate?"-KEIN SCHERZ!)
Da es die Demokratie in Indonesien erst seit ca. 10 Jahren gibt ist sie noch sehr ungefestigt und in letzter Zeit drängen auch verstärkt islamistische Parteien in den Vordergrund. In einer Provinz ist vor kurzem sogar wieder Scharia und damit die Steinigung bei Ehebruch bzw. das Auspeitschen bei Fremdgehen eingeführt. Bisher habe ich aber noch keinen Indonesier getroffen der das gut heißt. Allgemein stellt man hier einen sehr toleranten Umgang mit Religion fest. Religion wird mehrheitlich als Privatsache interpretiert. Da darf es dann auch nicht verwundern, wenn man eine Frau im Minirock und eine Frau mit Kopftuch in einer Bar beim Biertrinken antrifft! :)
Falls ihr mehr zu unserer Arbeit lesen wollt findet ihr die HSS Indonesien unter www.hsfindo.org

Ansonsten lebe ich mich hier mehr und mehr ein. Am Wochenende war ich auf nem Indie-Festival bei dem sich verschieden lokale Bands gebattelt haben. Mal ganz witzig zu sehen wie Indonesische Jugendliche auf Indie abgehn! :) Ein weiterer Lieblingssport der Indonesier ist Essen. Ich muss gestehen, dass ich in diesen gut 2 Wochen hier noch kein einziges Mal gekocht und mind. 3 Kilo zugenommen habe. Eine Portion Nasi (=Reis) Goreng oder Mie (=Nudel) Goreng gibts hier umgerechnet für 80 Euro Cent. Selber kochen wäre mindestens genauso teuer. Und einmal in der Woche gehts ins Schweizer Restaurant, in dem man von Bratwurst über Kassler, Cordon Bleu und Kartoffelsalat alles bekommt was das Herz begehrt! :)

In diesem Sinne: Selemat Macan! (=Guten Appetit) und bis nächste Woche

Samstag, 3. Oktober 2009

Erdbeben auf Sumatra und die erste Woche


So ihr Lieben, da bin ich wieder! Die erste Woche in Jakarta ist vorbei und es gibt ne Menge zu erzählen.

Vielleicht zum Anfang mal das wichtigste: Jakarta ist von dem Erdbeben auf Sumatra weitgehend verschont geblieben...... zum Glück. Wir haben in unserem Büro im Hochhaus nur ein kleines Wackeln davon mitbekommen!

Ein paar Indonesien Fakten zum Einstieg:
- Indonesien ist das Land mit der viertgrößten Bevölkerung weltweit, 232 Millionen Menschen.
- Indonesien besteht aus ca. 18.000 Inseln (Jakarta liegt auf der Insel Java mit 130 Mio. Meschlein) und erstreckt sich auf einer Länge von über 5000 km.
- 88% der Indonesier sind Muslime
- Jakarta hat 20 Millionen Einwohner und zeichnet sich v.a. durch eine konstant hohe Smog-Belastung, kilometerlange Dauer-Staus und wenig Grün aus ;)

Das sollte euch mal einen kleinen Eindruck von den Dimensionen hier geben. Alles ein paar Nummern größer.....bis auf die Körpergröße der Indonesier. Die gehen mir nämlich max. bis auf Brusthöhe! :)

Mittlerweile bin ich auch vom Hotel in mein eigenes kleines Zimmerchen gezogen (siehe Bild). Der erste Schritt mich hier einzuleben. Mit der indonesischen Sprache tue ich mich aber noch sehr schwer. Versteh hier den ganzen Tag nur Bahnhof. Deswegen muss ich erstmal schaun wo ich möglichst schnell nen Crashkurs machen kann. Die Leuten können hier zwar Englisch, aber eher mehr schlecht als recht.

Was sonst noch so alles abgeht und wie's beim Praktikum in der Hanns-Seidel Stiftung läuft erzähle ich euch nächste Woche.

Bis dahin
Peter

Bilder: 1) Blick aus meiner Wohnungstüre auf den Finanzdistrikt
2) 3) Bei mir gleich um die Ecke, Plaza Indonesia mit dem Kempinski Hotel



Mittwoch, 23. September 2009

Abschied nehmen

Hallo zusammen!

Das nächste Jahr über versuche ich euch mit diesem Blog regelmäßig auf dem Laufenden zu halten, mit dem was ich so treibe im Ausland. Zunächst führt meine einjährige Reise nach Indonesien für ein Praktikum bei der Hanns-Seidel Stiftung in Jakarta.......und morgen geht's los.
Der Koffer ist gepackt und die letzten Vorbereitungen abgeschlossen. Von mir aus kann das Abendteuer Jakarta starten!!! Ich bin gespannt was mich in diesem Land so alles erwartet....

Ein Motto für das nächste Jahr habe ich schon mal:
" Ein Schiff, das im Hafen liegt ist sicher.
Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut!
Trau dich!"

In diesem Sinne, wünsche ich euch und mir eine gute Schiffsfahrt und eine gesunde Rückkehr in den Heimathafen nach einem Jahr auf See.

Euer
Peter