Montag, 9. November 2009

Zurück in die Steinzeit - Baduy



Selamat malam!

Dieses Wochenende hatte ich wiedereinmal das Glück Jakarta entfliehen zu können. Wie jede Woche bilden sich am Freitag Abend und Samstag morgen zig kilometerlange Staus. Mir kommt es manchmal so vor, dass die Mehrzahl der Indonesier diese Stadt auch nicht mag und ihr entkommen will, wann immer möglich.

Mir wurde erklärt, dass auf der Grund der hinduistischen Vergangenheit, Indonesien ein sehr friedvolles Volk ist. Das ist auch mein Eindruck der ersten Wochen. Es herrscht hier (v.a. außerhalb Jakartas) eine angenehm ruhige und entspannte Atmosphäre, die ich sehr positiv wahrnehme. Einen ganz besonderen Stamm, der diese Atmosphäre mustergültig verkörpert habe ich die letzten Tage "besuchen" dürfen.


Sobald man die Hauptstraße, die aus Jakarta hinausführt verlässt, und auf Nebenstrecken unterwegs ist sollte man ein gut gefedertes Fahrzeug haben. Nicht selten gleicht die Fahrt eher einer unfreiwilligen Hoppel-Massage als einer ebenen Straße. Nichtsdestotrotz sind wir Samstag morgen im ca. 5 Stunden entfernten Baduy angekommen. Ein Ort an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Von hier aus ging es los mit Rucksäcken und viel Wasser für die Wanderung. 2 Stunden wanderten wir durch dichten hügeligen Tropenwald. In Baduy lebt ein Stamm, der für sich entschieden hat, weiter in seiner traditionellen Weise zu leben wie er es schon seit Jahrhunderten tut.

Hier gibt es keinen Strom, keine (Ab)wasserleitungen, keine Mopeds oder Autos, keine Handys oder Elektrogeräte, keine Schuhe, keine Spiegel, Zwangsheirat, keine Schulen, Schreiben und Lesen ein Fremdwort, keine Uhren, Holzhütten und Blätterdächer, keine Toiletten, keine Duschen (dafür gibts ja den Fluss), Brücken aus Bambus und Menschen, die in von selbst handgewebte Sarungs tragen. Ich muss sagen, dass ich diese Gefühl der Naturverbundenheit und Freiheit in der Stadt vermisse. Das Besinnen auf das wesentliche im Leben...


Hier ist einfach alles um ein Jahrhundert zurück gedreht. Faszinierend.... Die Baduys leben von dem was sie anbauen und ernten, nahezu autark. Mit Besuchern (wie unsereins) und dem Verkauf von Sarungs und Handarbeiten verdienen sie sich das zusätzliche, was sie selbst nicht produzieren.
Ich habe Respekt für diesen Menschen, die den Reizen und Verlockungen der Zivilisation widerstehen, auf sogenannten Lebensstandard (wie wir es nennen) verzichten und ihre Tradition bewahren. Ich bin gespannt, ob oder wie lange sie ihre Kultur noch schützen können. Der Verfall und die Abkehr von ihren Wert hin zu materialistischen Denken war an den Randzonen von Baduy schon sichtbar. Vereinzelt sah man Handys, Radios,... Es wurde uns auch von immer mehr Jugendlichen erzählt, die ihren Stamm verlassen und ihr Glück in der Stadt suchen. Es ist uns glaub ich allen klar, dass diese Menschen zu den ersten Opfern unser Gesellschaftsordnung zählen...

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und nächste Woche berichte ich euch über Yogyakarta, der Stadt der Tempel.

Sampai minggu lalu (Bis nächste Woche)
Peter

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